Ein einzelnes Starkregenereignis kann für einen Betrieb heute existenzbedrohende Folgen haben. Was früher oft als zusätzlicher Baustein galt, gehört beim Elementarschutz für Gewerbeimmobilien längst zu den Themen, die in keiner Absicherung fehlen sollten.
Im Schadenjahr 2024 verursachten Starkregen und Überschwemmung laut GDV versicherte Schäden von rund 2,6 Milliarden Euro – etwa eine Milliarde mehr als im langjährigen Durchschnitt. Diese Zahl umfasst Wohngebäude, Hausrat sowie gewerbliche, industrielle und landwirtschaftliche Betriebe zusammen; eine gesonderte Statistik ausschließlich für die gewerbliche Sachversicherung veröffentlicht der GDV derzeit nicht. Der Trend zeigt aber deutlich: Naturgefahren gehören zu den Risiken, die für Unternehmen an Bedeutung gewinnen.
Kurz gesagt: Wie gut ein Betrieb gegen Elementarschäden abgesichert ist, hängt vor allem von zwei Dingen ab – der Risikoeinstufung des Standorts (den sogenannten ZÜRS-Zonen) und davon, wie eng oder weit der jeweilige Versicherer den Begriff „Überschwemmung“ im Vertrag fasst. Beides lohnt sich zu verstehen, bevor eine Betriebsgebäude- oder Geschäftsinhaltsversicherung abgeschlossen oder geprüft wird.
Was die ZÜRS-Zone über Ihren Standort aussagt
ZÜRS Geo ist das Zonierungssystem des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die Risiken Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Es ordnet jeder Adresse in Deutschland eine Risikoeinstufung zu und bildet die Grundlage dafür, wie Versicherer das Elementarrisiko eines Standorts einschätzen und kalkulieren.
Innerhalb von ZÜRS Geo spielen für Ihren Betrieb vor allem zwei Werte eine Rolle: die Hochwassergefährdungsklasse und die Starkregengefährdungsklasse.
Hochwassergefährdungsklasse (HGK): das Risiko durch Flüsse und Seen
Die HGK bewertet, wie wahrscheinlich ein Hochwasser durch Flüsse, Seen oder größere Gewässer ist:
- HGK 1 – kein bzw. sehr geringes Hochwasserrisiko
- HGK 2 – Hochwasser seltener als etwa alle 100 Jahre
- HGK 3 – Hochwasser etwa alle 10 bis 100 Jahre
- HGK 4 – Hochwasser mindestens einmal in 10 Jahren
Starkregengefährdungsklasse (SGK): das Risiko abseits von Flüssen
Die SGK bewertet, dass durch Starkregen Wasser in ein Gebäude oder auf ein Grundstück läuft – unabhängig davon, ob in der Nähe ein Fluss verläuft. Starkregen kann grundsätzlich überall auftreten, auch weit entfernt von jedem Gewässer:
- SGK 1 – geringes Risiko, etwa auf einer Kuppe oder im oberen Hangbereich
- SGK 2 – mittleres Risiko, etwa in einer Ebene oder Hanglage
- SGK 3 – hohes Risiko, etwa in einem Tal oder in Gewässernähe
Ergänzend wird häufig auch die sogenannte Bachzone abgefragt: Sie gibt lediglich mit Ja oder Nein an, ob im Umkreis von 100 Metern ein Bach verläuft.
Ein Beispiel aus der Praxis
HGK und SGK können für ein und denselben Standort völlig unterschiedlich ausfallen. Ein Betriebsgebäude kann etwa mit HGK 4 und gleichzeitig SGK 1 eingestuft sein: Es liegt zwar sehr nah an einem Fluss und trägt dadurch ein hohes Hochwasserrisiko, gleichzeitig aber am oberen Hang – wo oberflächlich abfließender Starkregen kaum zusammenläuft. Beide Werte zusammen ergeben erst ein realistisches Bild des Risikos, nicht jeder für sich allein.
Warum die genaue Definition von „Überschwemmung“ im Vertrag den Unterschied macht
Neben der Risikoeinstufung des Standorts lohnt sich ein zweiter Blick: wie der jeweilige Versicherer den Begriff „Überschwemmung“ in den Bedingungen definiert. Bei den meisten Versicherern muss zunächst das Grundstück selbst überflutet sein, bevor Wasser in das Gebäude eindringt – erst dann greift die Deckung. Einige Anbieter fassen den Begriff weiter: Auch wenn Starkregen direkt über einen Lichtschacht oder eine Kelleraußentür in ein Gebäude eindringt, ohne dass zuvor das gesamte Grundstück überflutet war, gilt das bereits als Überschwemmungsschaden.
Dieser Unterschied ist keine Formsache: Gerade Starkregenschäden entstehen häufig genau so – über Kellerfenster, Lichtschächte oder Türen –, ohne dass vorher das ganze Grundstück unter Wasser stand.
Dieselbe Frage stellt sich übrigens auch bei der Geschäftsinhaltsversicherung, also der Absicherung von Inventar, Waren und technischer Ausstattung. Die Formulierungen im Vertrag folgen dort in der Regel derselben Logik wie bei der Betriebsgebäudeversicherung – ein Blick in beide Verträge lohnt sich deshalb gemeinsam.
Was Sie jetzt tun können
Sie kennen jetzt die wichtigsten Begriffe rund um den Elementarschutz: ZÜRS-Zone, Hochwassergefährdungsklasse, Starkregengefährdungsklasse und die Frage, wie weit der Überschwemmungsbegriff im Vertrag gefasst ist. Ob Ihre bestehende Betriebsgebäude- oder Geschäftsinhaltsversicherung zur tatsächlichen Risikosituation Ihres Standorts passt, lässt sich am besten anhand des konkreten Vertrags und der Adresse einordnen. Ein persönliches Gespräch hilft, das für Ihren Betrieb einzuordnen.


